Gemeinsam Wärmer: Mikrowärmenetze beschleunigen die Wärmewende im nachbarschaftlichen Raum
Im kürzlich gestarteten Projekt GemeinsamWaermer erarbeiten wir gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE, dem Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V. (IKEM), dem House of Energie e.V., dem Werra-Meißner-Kreis, der Stadt Kassel und weiteren assoziierten Projektpartnern in den nächsten zwei Jahren übertragbare Konzepte für die erfolgreiche Umsetzung von Mikrowärmenetzen. Am Beispiel der Stadt Kassel und des Werra-Meißner-Kreises wird ein Konzept zur Umsetzung von Mikrowärmenetzen entwickelt, das sich auf andere Kommunen übertragen lässt. Ziel des Projekts ist es, passgenaue, umsetzungsorientierte und einfach zugängliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Factsheets und ein Mikrowärmequartiersbaukasten zu entwickeln, um die diversen Akteur*innen bei der Wärmewende konkret zu unterstützen. Kommunen, Energiegenossenschaften, Energieversorgungsunternehmen und Bürger*innen sollen so befähigt werden, die Wärmeversorgung vor Ort versorgungssicher, effizient und erneuerbar zu gestalten.
Um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, muss die Wärmeversorgung konsequent auf klimaneutrale Lösungen umgestellt werden. Mikrowärmenetze sind dabei neben Einzelheizungen und großskaligen Nah- und Fernwärmenetzen eine entscheidende Versorgungsoption, deren Bedeutung zunimmt. Genau hier setzt das neue Forschungs- und Transferprojekt GemeinsamWaermer an.
Mikrowärmenetze als innovative Lösung im Kleinen
Mikrowärmenetze – auch Gebäudenetze im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes – verbinden bis zu 15 Gebäude mit einer gemeinsamen Wärmeversorgung. Anders als bei klassischen Wärmenetzen handelt es sich um kleinskalige Systeme, die insbesondere für kleinere Quartiere, Dorflagen oder Bestandsgebiete geeignet sind. Holger Schülbe, Klimaschutzmanager des Werra-Meißner-Kreises, erläutert: “Trotz ihres großen Potenzials werden Mikrowärmenetze bislang nur vereinzelt umgesetzt. Gründe dafür sind fehlende Erfahrungswerte, komplexe rechtliche Rahmenbedingungen sowie Unsicherheiten bei Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz. Umso mehr freuen wir uns, dass wir an dem Projekt beteiligt sind und mit guten Beispielen die Verbreitung der Mikrowärmenetze voranbringen können.“
„Die kommunale Wärmeplanung hilft uns, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern eine bezahlbare und nachhaltige Wärmeversorgung für Kassel zu entwickeln. So machen wir die Wärmewende für alle greifbar“, freut sich Stadtklimarätin Simone Fedderke. Die Stadt bringt zudem ihre Erfahrungen aus der erprobten Quartiersarbeit (z.B. im Jungfernkopf) in das Projekt ein.
Auch bei den assoziierten Partnern den Landkreisen Kassel und Waldeck-Frankenberg werden Daten erhoben und es erfolgt ein intensiver Erfahrungsaustausch.
Blaupausen für Erfolg in der kommunalen Wärmewende
Ziel des Projektes GemeinsamWaermer ist es Kommunen, Energiegenossenschaften, Energieversorgungunternehmen und Gebäudeeigentümern passgenaue, umsetzungsorientierte Informationen zu Mikrowärmenetzen online zugänglich zu machen. Alwina Kaiser, Projektleiterin am Fraunhofer IEE ist überzeugt: „Unsere übertragbaren Konzepte für klimaneutrale Mikrowärmenetze, sollen kleinen Quartieren und ländlichen Räumen eine wirtschaftliche und effiziente Wärmeversorgung ermöglichen. Ergänzend werden Akteure vor Ort durch praxisorientierte Werkzeuge, Entscheidungshilfen, Leitfäden und Best‑Practice‑Beispiele schrittweise handlungsfähig.“
Prof. Peter Birkner, Geschäftsführer des House of Energy unterstreicht: „Mikrowärmenetze sind ein Schlüssel für die Wärmewende im Kleinen. Jetzt gilt es, praxistaugliche Lösungen schnell in die Breite zu bringen – genau hier setzen wir mit unserem Fokus auf Wissens- und Ergebnistransfer an. Das Projekt ermöglicht uns verschiedene Akteure bei der konkreten Umsetzung zu unterstützen und die Wärmewende vor Ort zu beschleunigen.“
Breites Partnerkonsortium bündelt Kompetenzen
Die inhaltlichen Schwerpunkte des Projekts werden durch die unterschiedlichen Partner gezielt abgedeckt:
- Analyse, Bewertung und Konzeption erneuerbarer Wärmesysteme: Das Fraunhofer IEE entwickelt als Projektleitung technische sowie techno‑ökonomische Grundlagen für Mikrowärmenetze und bringt seine umfangreiche Expertise ein.
- Akzeptanzforschung undrechtliche, regulatorische sowie organisatorische Rahmenbedingungen: Das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) entwickelt u.a. aus den lokalen Akzeptanzfaktoren eine Akzeptanz- und Kommunikationsstrategie für Kommunen. Daneben übernimmt das IKEM die Identifizierung rechtlicher Hemmnisse mit dem Ziel, durch Anpassungen der gesetzlichen Vorgaben die Umsetzung von Mikrowärmenetzen zu erleichtern. Außerdem bereitet es rechtliche Rahmenbedingungen praxisnah für unterschiedliche Betreibermodelle auf.
- Praxis‑ und Erprobungsräume aus kommunaler Perspektive: Die kommunalen Partner – insbesondere der Werra‑Meißner‑Kreis und die Stadt Kassel aber auch die assoziierten Kommunen, bringen Erkenntnisse aus der kommunalen Wärmeplanung und bereits umgesetzten Mikrowärmenetzen ein.
- Zivilgesellschaftliche Beteiligung: Das Netzwerk Energiewende Jetzt e. V. stärkt die Bürger:innen‑ und Akzeptanzperspektive und beteiligt relevante Akteursgruppen.
- Synthese, Aufbereitung und Transfer der Projektergebnisse: Das House of Energy e. V. sorgt für die Ergebnisrückkopplung mit dem Begleitkreis und die Verbreitung und Nutzung der Mikrowärmenetze in Kommunen, Netzwerken und bei weiteren Stakeholdern.
Workshops und ein projektbegleitender Kreis binden Kommunen, Bürger:innen, Energieversorgungsunternehmen und weitere Stakeholder gezielt ein. Der Begleitkreis setzt sich aus folgenden assoziierten Partnern zusammen: Bürger Energie Kassel & Söhre eG, Landkreis Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Viessmann Climate Solutions SE, Stadt Korbach, Deutsche Energie-Agentur GmbH, 100 prozent erneuerbar stiftung.

Das Projekt GemeinsamWaermer wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms, Förderschwerpunkt Quartiere, Aufruf „Vom Plan zur Wende“.
