Die Lokalen Aktionsgruppen Havelland und Fläming-Havel haben in ihrem gemeinsamen Vorhaben, die Wertschöpfung aus Solarenergie und Nahwärmeprojekten in ihren Regionen zu stärken, einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die in Eberswalde ansässige Energiegenossenschaft Inselwerke eG hat den Zuschlag für den Aufbau und initialen Betrieb einer Servicestelle für Photovoltaik und Nahwärme erhalten. Die Servicestelle soll bei der Umsetzung von Bürgerenergieprojekten unterstützen, um den Mehrwert der Erneuerbaren Energien für Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen in der Region zu erhöhen. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt und enthält eine Verlängerungsoption bis 2028. In dieser Zeit wird die Dienstleisterin ein Beratungs- und Informationsangebot für Kommunen und Bürgerenergiegemeinschaften in den beiden LEADER-Regionen realisieren, das anschließend auf eigenen Beinen stehen soll.
In einem ersten Schritt untersucht das Projektteam 52 kommunale Liegenschaften auf ihr Potenzial zur Errichtung von Photovoltaikanlagen. In die Betrachtung fließen umfangreiche Randbedingungen wie Statik, Denkmal-, Brand- und Blitzschutz, Lastprofile, Anschlusswege sowie die Stromabsatzoptionen durch Sektorkopplung oder Konzepten wie dem Bilanzstrommodell ein. Nicht zuletzt sind auch mögliche Träger- und Betreiberstrukturen Gegenstand der Analyse. Im Ergebnis entstehen für die einzelnen Liegenschaften Steckbriefe, auf deren Basis die Kommunen Entscheidungen zur Umsetzung und zu möglichen nächsten Schritten treffen können.
Im Anschluss rückt die Servicestelle den Fokus auf die Beratung der Kommunen und möglicher Bürgerinitiativen. Denn Ziel der Lokalen Aktionsgruppen ist es, möglichst viele der untersuchten Projekte vom Konzept in die Umsetzung zu bringen. Darüber hinaus schafft die Servicestelle eine Wissensplattform für Interessierte zu den Themen Bürgerenergie, Solarenergie und Nahwärme und wird den Informations- und Erfahrungsaustausch mit Vortragsveranstaltungen und Netzwerktreffen unterstützen.
Finanziert wird das Vorhaben mit einem Gesamtumfang von rund 1,5 Mio. EUR durch europäische Fördermittel und Eigenanteile der Lokalen Aktionsgruppen, der Landkreise Havelland und Potsdam-Mittelmark sowie der Kommunen, in denen die zu untersuchenden Liegenschaften verortet sind. „Wir freuen uns, dass das Projekt mit der Bindung eines kompetenten Auftragnehmers nunmehr Fahrt aufnimmt. Und wir bedanken uns herzlich bei allen Partnern, die mit eigenen Beträgen zum Gelingen dieses Schlüsselvorhabens beitragen“, erläutert Jan Nickelsen, Vorstandsvorsitzender der LAG Havelland. Michael Koch, Umweltbeigeordneter des Landkreises Havelland, ergänzt: „Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Menschen im Havelland direkt von der Energiewende profitieren. Mit der Servicestelle schaffen wir die Grundlage dafür, dass die Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien vor Ort bleibt und unsere Region stärkt.“
Zusätzlicher Bestandteil des LEADER-Projektes bildet das Coaching der beiden regionalen Bürgerenergiegenossenschaften „Westhavelland“ und „NaturEnergie Fläming“ durch das Netzwerk Energiewende Jetzt. Hierfür finden die ersten Vor-Ort-Termine im November dieses Jahres statt. Auch andere bestehende sowie sich neuformierende Bürgerenergiegemeinschaften können sich vom Netzwerk zu Gründungsfragen oder tragfähigen Geschäftsmodellen beraten lassen.
Strategisch begleitet wird das Vorhaben durch das in Berlin ansässige Bündnis Bürgerenergie, das vielseitige Expertisen im Bereich der bürgergetragenen Energiewende mit in die Region bringt. Dieses unterstützt die Servicestelle schwerpunktmäßig bei der Entwicklung ihres Angebotsprofils und der langfristigen Finanzierungsperspektive über den Förderzeitraum hinaus.
Schlüsselvorhaben für die landesweite Regionalentwicklungsstrategie
Da das Vorhaben die Weichen für eine gelingende Energiewende stellt und somit ein zentrales Zukunftsthema bearbeitet, wurde es von der Staatskanzlei des Landes Brandenburg als Schlüsselvorhaben eingestuft. Marko Köhler, Vorsitzender des Vorstands der LAG Fläming-Havel erklärt: „Das Projekt ist so aufgebaut, dass eine Übertragbarkeit auf andere Regionen in Brandenburg, aber auch deutschlandweit möglich ist, um so bestenfalls zum Vorbild für weitere Projekte zu werden.“
Mehr über das Projekt und unsere Rolle
Hintergrundinformation
Die Lokalen Aktionsgruppen haben die Aufgabe, das LEADER-Programm zur Entwicklung ländlicher Räume in den Regionen Havelland und Fläming-Havel umzusetzen. Um die Lebensqualität und Erwerbsmöglichkeiten im ländlichen Raum zu verbessern, werden europäische Fördermittel aus LEADER eingesetzt, wodurch schon zahlreiche Projekte umgesetzt werden konnten. Projektträger*innen sind Kommunen, Unternehmen, Vereine und Stiftungen, aber auch Privatpersonen.
Was ist LEADER? LEADER ist ein Förderansatz der Europäischen Union, der Menschen in ländlichen Gebieten dabei unterstützt, Projekte zur Entwicklung ihrer Region umzusetzen. Wörtlich verbirgt sich hinter der Abkürzung LEADER "Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale", zu Deutsch: "Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft". Grundidee von LEADER ist es, Akteure aus verschiedenen Bereichen – von der Kommune über die Wirtschaft bis hin zu Vereinen und Privatpersonen – zusammenzubringen, um gemeinsam die Entwicklung ihrer Region voranzubringen. In jeder Region entscheidet eine Lokale Aktionsgruppe (LAG) auf Grundlage einer gemeinsam erarbeiteten regionalen Entwicklungsstrategie (RES), für welche Projekte die LEADER-Fördermittel eingesetzt werden sollen. Ein Regionalmanagement unterstützt die LAG und die regionalen Akteure dabei, Projektideen zu konkretisieren und die Fördermittel zu beantragen und abzurechnen.

