Nachhaltige Energieversorgung in Mehrfamilienhäusern ist möglich!

Auf Einladung von Netzwerk Energiewende Jetzt und LaNEG Rheinland-Pfalz diskutierten Vertreter*innen von Wohnungswirtschaft und Energiegenossenschaften am 3.7. in Ingelheim über Potentiale der Zusammenarbeit und resümierten: Gemeinsam können Wohnungsunternehmen und Energiegenossenschaften die Energiewende voran bringen, sodass auch Mieter*innen profitieren.

Dr. Verena Ruppert vom Landesnetzwerk BürgerEnergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz betonte in ihrer Eröffnung den Mehrwert, der Bürgerenergiegenossenschaften auszeichnet: Sie sind vor Ort verankert und vernetzt, beteiligen die Bürgerinnen und Bürger und bringen große Expertise mit.

Martin Bach, Referatsleiter Wärme, Gebäude und Quartier bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz stellte in seinem Vortrag zu dezentralen Versorgungskonzepten für die Energiewende heraus, dass gerade in Rheinland-Pfalz mit seinen vielen kleinen Ortsgemeinden Quartiersansätze der game changer für die Energie- und Wärmewende sind.

Matthias Berger, Abteilungsleiter Politik beim Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest), unterstrich, dass Klimaschutz und bezahlbares Wohnen Hand in Hand gehen müssen und deshalb effizient investiert werden sollte. Zentral für den Gebäudesektor sei die emissionsfreie Wärmeversorgung. Da Solarthermie oder Mieterstrom für viele Wohnungsgesellschaften noch nicht erprobt seien und hohe Investitionen anstehen, sieht er großes Potenzial für die Zusammenarbeit gerade zwischen Wohnungsbaugenossenschaften und Energiegenossenschaften: Gemeinsam könne lokales Wohnen und lokaler Klimaschutz zusammengedacht werden.

Mehrere Praxisbeispiele machten deutlich, wie Energiegenossenschaften und Wohnungsunternehmen beim Thema PV auf Mehrfamilienhäusern zusammenarbeiten können: Während die Wohnungsunternehmen die Dachflächen bereitstellen, beraten Energiegenossenschaften fachkundig zu technischen und wirtschaftlichen Fragen, sie übernehmen den Bau der Anlage und damit die Investitionskosten, und sie treten als Betreiberin der Anlage auf und kümmern sich im Mieterstrommodell um die gesamte Stromlieferung und Abrechnung gegenüber den Bewohner*innen. 

Ein solches Projekt hat die Rabenkopf Bürgerenergie eG gemeinsam mit der Wohnart Bad Kreuznach eG realisiert. Die Beteiligten hoben besonders die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Genossenschaften und die günstigen Stromkosten für die Bewohner*innen hervor. 

Andreas Gißler von der Heidelberger Energiegenossenschaft eG berichtete über Mieterstromprojekte mit verschiedenen Kooperationspartnern, darunter Wohnungsbaugenossenschaften, Stiftungen und privatwirtschaftlichen Bauträgern, und unterstrich, dass alle Projekte unterschiedliche Herausforderungen mit sich brächten, diese aber stets mit Kreativität und Flexibilität lösbar seien. Energiegenossenschaften könnten Wohnungsunternehmen entlasten und seien besonders an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert, um bspw. sukzessive den gesamten Bestand mit Solaranlagen auszustatten.

Abschließend stellte Patrick Clemens-Weirich vom LaNEG genossenschaftliche Projekte zur klimaneutralen Wärmeversorgung auf Quartiersebene vor, darunter Kalte Nahwärmenetze. 

Die Praxisbeispiele trafen auf großes Interesse und viele Nachfragen der Anwesenden, die die Veranstaltung für regen Austausch und zum Netzwerken nutzten.

 

Die Veranstaltung war Auftakt des Projekts “CommunitE: Regionale Kompetenznetzwerke für gemeinschaftliche Energieversorgung”. CommunitE unterstützt in den beiden Pilotregionen Rheinland-Pfalz und Thüringen gezielt Kooperationen zwischen Energiegenossenschaften und Wohnungsunternehmen durch Beratung und Vernetzung. Die Projektpartner begleiten Modellprojekte, identifizieren Erfolgsfaktoren und entwickeln übertragbare Konzepte für die gemeinschaftliche Versorgung mit Solarstrom. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.